Ping-Anrufe und Lockanrufe: Die Masche erklärt

Redaktion Wer hat angerufen? · Stand 25.7.2026

Es läutet genau einmal, dann ist der Anruf weg. Am Display: eine Nummer aus Tunesien, Madagaskar oder einem Land, in dem Sie garantiert niemanden kennen. Was wie ein technischer Fehler aussieht, ist eine der ältesten und hartnäckigsten Betrugsmaschen am Telefon: der Ping-Anruf, international Wangiri genannt. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Masche funktioniert, woran Sie sie in Sekunden erkennen, was ein Rückruf tatsächlich kostet – und wie Sie die Täter der RTR melden. Ob eine konkrete Nummer bereits auffällig geworden ist, prüfen Sie gleich hier:

So funktioniert die Wangiri-Masche

Das Geschäftsmodell ist simpel und deshalb so langlebig. Die Täter mieten teure Auslands- oder Mehrwertnummern an, an deren Gesprächsentgelten sie mitverdienen. Dann lassen sie automatische Wählcomputer tausende österreichische Nummern durchklingeln – jeweils nur ein einziges Mal, damit niemand abheben kann. Zurück bleibt ein verpasster Anruf, und der weckt Neugier: Wer war das? Vielleicht etwas Wichtiges? Genau auf diesen Reflex zielt die Masche. Wer zurückruft, landet auf der teuren Nummer und wird dort mit Bandschleifen, Warteansagen oder vorgetäuschten Gewinnspielen möglichst lange in der Leitung gehalten – jede Sekunde spült Geld in die Kassen der Täter. Ihr Schaden entsteht also nie durch den Lockanruf selbst, sondern ausschließlich durch Ihren eigenen Rückruf.

Woran Sie einen Ping-Anruf erkennen

Was ein Rückruf kostet

Beim Rückruf auf eine ausländische Nummer zahlen Sie den Auslandstarif Ihres Betreibers – je nach Ziel und Tarif schnell mehrere Euro pro Minute, und die Täter halten Sie so lange wie möglich in der Leitung. Führt der Köder auf eine inländische Mehrwertnummer, gelten die Obergrenzen der KEM-V: bis zu 3,64 Euro pro Minute bei zeittarifierten 0900-Nummern, bis zu 10 Euro pro Anruf bei eventtarifierten 0901-Nummern.

Wichtig zur Beruhigung: Das bloße Läuten und auch das Abheben eines eingehenden Anrufs kosten Sie nichts. Solange Sie nicht zurückrufen, entsteht kein Schaden. Was inländische Mehrwertnummern generell verrechnen dürfen und welche Rechte Sie bei der Preisansage haben, erklärt der Ratgeber Was kosten 0900-, 0810- und 0820-Nummern?

Richtig reagieren: die Vier-Punkte-Regel

  1. Nicht zurückrufen. Kein Rückruf, keine Kosten – so einfach ist die Verteidigung. Wer wirklich etwas von Ihnen will, versucht es wieder oder spricht auf die Mailbox.
  2. Nummer prüfen. Geben Sie die Nummer in die Rückwärtssuche oben ein oder sehen Sie im Spam-Barometer nach, ob sie bereits gemeldet wurde. Bei Wangiri-Wellen finden sich meist binnen Stunden Meldungen anderer Betroffener.
  3. Nummer blockieren und die Erfahrung als Meldung hinterlassen – so kollabiert die Masche an der Warnung der Community.
  4. Rechnung kontrollieren, falls Sie doch zurückgerufen haben: Beanstanden Sie überhöhte Posten schriftlich bei Ihrem Betreiber.

Melden: RTR-Meldestelle und weitere Anlaufstellen

Die Regulierungsbehörde RTR betreibt eine eigene Meldestelle für Rufnummernmissbrauch: Über das Web-Formular auf rtr.at melden Sie die Lock-Nummer mit Datum und Uhrzeit – die Meldungen helfen der Behörde, missbräuchlich genutzte Nummernbereiche zu sperren und Zahlungsströme zu unterbinden. Handelt es sich zusätzlich um unerbetene Werbeanrufe, sind diese nach § 174 TKG 2021 ohne Einwilligung verboten und können beim Fernmeldebüro beanstandet werden. Bei Streit über eine überhöhte Telefonrechnung steht Ihnen die Schlichtungsstelle der RTR offen. Als weitere Anlaufstellen haben sich die Arbeiterkammer (AK), die Betroffene bei Rechnungsbeanstandungen unterstützt, und Watchlist Internet bewährt, die laufend vor aktuellen Wangiri-Wellen und anderen Betrugsmaschen warnt. Und weil die Täter neben Auslandsnummern gern auf unauffällige inländische VoIP-Nummern ausweichen, lohnt auch ein Blick in den Ratgeber 0720: Warum ruft diese Nummer ständig an?

Häufige Fragen

Was ist ein Ping-Anruf?

Ein Lockanruf, bei dem es absichtlich nur einmal kurz läutet. Ziel ist, dass Sie die unbekannte Nummer neugierig zurückrufen – der Rückruf führt dann auf eine teure Auslands- oder Mehrwertnummer. Die Masche heißt international Wangiri, japanisch für „ein Klingeln und auflegen“.

Ich habe zurückgerufen – was nun?

Legen Sie sofort auf und notieren Sie Datum, Uhrzeit und Nummer. Prüfen Sie die nächste Rechnung Ihres Betreibers auf ungewöhnliche Posten und beanstanden Sie diese schriftlich. Melden Sie die Nummer der RTR-Meldestelle für Rufnummernmissbrauch; bei Streit über die Rechnung hilft die Schlichtungsstelle der RTR.

Kostet schon das Abheben etwas?

Nein. Das Annehmen eines eingehenden Anrufs kostet in Österreich nichts, ebenso wenig das verpasste Läuten. Teuer wird erst Ihr aktiver Rückruf auf die Lock-Nummer – genau darauf zielt die Masche ab.

Welche Vorwahlen sind typisch für Ping-Anrufe?

Häufig exotische Ländervorwahlen wie +216 (Tunesien), +261 (Madagaskar) oder +675 (Papua-Neuguinea), gelegentlich auch inländische Mehrwertnummern wie 0900 oder 0901 als Rückruf-Köder. Wer dort niemanden kennt, sollte nicht zurückrufen.

Wo melde ich Ping-Anrufe?

Bei der Meldestelle für Rufnummernmissbrauch der RTR über das Web-Formular auf rtr.at. Zusätzliche Anlaufstellen sind die Arbeiterkammer (AK) für Fragen zur Rechnung und Watchlist Internet, die vor aktuellen Betrugswellen warnt.